Montag, 30. Januar 2012

TESTCARD 21



Popkultur, das war lange Zeit Rebellion gegen alles ­Bürgerliche – Rebellion lebte im und aus dem Überfluss. Junge und schöne Menschen führten vor, dass Leben intensiver, cooler, freier und glamouröser sein kann! Wer dabei zu Tode kam, starb als jugendlicher Märtyrer im Dienste des Vitalismus. »Live fast, die young«, wer dieses Ziel verfehlte, kaufte sich dann eben später doch eine Villa nebst Treppenaufgang für die Platinschall­platten.Sicher war es früher nicht nur so, und sicher ist es heute nicht nur anders. Aber das Klima seit dem ›Golden Age of Pop‹ hat sich kulturell, sozial und ökonomisch fundamental verändert. Damit ist ein Pop-Tabu berührt. Denn Teil der Geschäftsgrundlage von Pop war es, die Frage nach der eigenen Lebensgrundlage immer als Nebenwiderspruch zu behandeln. Letztendlich sollte sie sich von selber regeln: durch wirtschaftlichen Erfolg, solidarische Netzwerke oder undergroundige Bedürfnis­losigkeit. Und ist die aktuelle Konjunktur von Über­lebens-Fragen nicht vielleicht nur die Bestätigung dafür, dass der allgemeine Sicherheitswahn nun auch Pop- und Subkulturen erreicht hat?

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